Leistungsdiagnostiken durch Laktattest – non-plus ultra oder unnötige Kosten?

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Leistungsdiagnostiken durch Laktattest – non-plus ultra oder unnötige Kosten?

Dezember 12, 2017 Uncategorized 0

 

Was ist meine Meinung zu Labortests?

Dazu muss man erstmal wissen, was eine Leistungsdiagnostik überhaupt kann? Sie kann dir sagen wie gut du in einer speziellen physiologischen Situation (Wie viel Laktat habe ich bei einer gewissen Intensität) bist und in welchem Bereich du eventuell Verbesserungen brauchst. Kannst du das auch anders? Natürlich kannst du das. Du kannst zum Beispiel einfach schauen wie viel Training in einem Trainingsbereich du gemacht hast. Wenn du viel Arbeit in diesem gemacht hast, dann wirst du darin gut sein. Tipp: die meisten Athleten trainieren generell zu hart bzw. zu mittelhart.

Kommen wir zur Aussagekräftigkeit einer Laktatleistungsdiagnostik. Es gibt sehr viele verschiedene Leistungsdiagnostiken. Die üblichsten Leistungsdiagnostiken haben eine Testlänge mit drei Minuten Stufen und werden dann bis es nicht mehr geht ausgereizt. Was sagen jetzt 3 Minuten über die Leistung von zum Beispiel einer Langdistanz oder einen Marathon aus? Nichts. Außerdem: nur weil es jetzt immer mehr Labore gibt wo Tests vollzogen werden, sagt das nichts über die Legitimität aus, sondern nur etwas darüber, dass man Ausdauersportlern das Geld aus der Tasche zieht. Mein Statement: holt euch einen Coach, der euch die Rennfähigkeiten beibringt. Denn was nützt einem ein „erfolgreicher Test“ im Rennen? Außerdem: was nützt euch ein VO2max Wert von über 75ml/min/kg wenn du deine Emotionen am Anstieg oder in einer entscheidenden Rennsituation nicht in Griff hast? Richtig, auch nichts.

Mit einem Leistungsmesser hast du auch schon das wichtigste Werkzeug an der Hand und macht eine Leistungsdiagnostik überflüssig, da du selber weißt wie lange du mit welcher Leistung treten kannst. Eine Athletin von mir hat mir erzählt: Sie war bei einem bekannten deutschen Anbieter für Leistungsdiagnostik. Hier wurde bei ihr festgestellt, dass Sie einen schlechten Fettstoffwechsel hat. Was denkt ihr wurde ihr vorgeschlagen? Sie solle doch eine LowCarb Ernährung machen. Dies tat sie dann auch und wandte sich nach drei Jahren veganer Ernährung wieder vom rein pflanzlich essen ab. Diese Leute haben Grundsätzliches nicht verstanden. Ich schaute mir die vergangenen Trainingseinheiten der Athletin an und stellte fest: Sie hat IMMER viel zu hart trainiert. Sie hatte nie die Chance sich einen guten Fettstoffwechsel zu erarbeiten. Fakt ist: Je mehr du ruhig trainierst und ich meine wirklich ruhig, desto besser wird dein Fettstoffwechsel sein. Und dieses Verhalten ist kein Einzelfall in der Leistungsdiagnostik. Die Kosten dafür belaufen sich dann auch schnell auf mehrmals 250 Euro im Jahr um festzustellen ob man wirklich besser geworden ist. Nun ja, dafür brauchst du keinen Laktattest machen, dass kannst du auch selber feststellen oder dein Trainer im Trainingsprozess.

Auch der Vergleich von zwei Tests ist sehr vage denn:

 

Wurde der Test zur gleichen Tageszeit durchgeführt?

  • Tageszeit hat bewiesenermaßen einen Einfluss auf die Leistung. (Fernandes et al., 2014)

Waren Temperatur und Luftfeuchtigkeit gleich?

Der Abstand zur letzten Mahlzeit? War es die gleiche Mahlzeit?

Waren alle Mahlzeiten, die gleichen innerhalb der letzten 2 Tage?

Hat der Athlet das gleiche Training am Testtag sowie 72 Stunden zuvor gemacht?

Wurde für den Test getapert?

  • Aerobe Trainingseffekte bleiben bis vier Wochen nach Ausübung spezieller Inhalte, mit Ausrichtung auf Fettstoffwechsel-training beziehungsweise Grundlagenausdauertraining, erhalten. Intensivere Trainingsinhalte, wie die Intervall-, Wiederholungs- oder Intermittentmethode, mit Hauptaugenmerk auf Grundlagenausdauertraining mit überwiegend anaeroben oder anaeroben-aeroben Charakter, weisen Residualeffekte von bis zu zwei Wochen auf (Issurin, 2008).

Wie war der Schlaf der letzten Nacht?

Wie war der Hydrationsstatus?

Wurden Stimulanzien benutzt? Wenn ja, die gleiche Menge?

  • Stimulanzien wie Coffein zeigen enorme Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit (Pasman et al., 1995)

Hat der Athlet, die gleichen sozialen Umstände (Tot eines Familienmitglieds, Trennungen etc.)?

Wurde das Equipment richtig kalibriert und wann wurde es das letzte Mal durchgeführt?

 

Wie du siehst, kann man zwei Tests generell schwer mit einander vergleichen. Ich hoffe das konnte ich dir hiermit klarmachen.

Was ich als legitim ansehe ist eine Trainingslaktatabnahme um zu schauen, ob das Training (zum Beispiel eine Schlüssel-Intervalleinheit) wirklich im geforderten Bereich durchgeführt wird. Das könnt ihr hier https://kohlacktricoaching.com/coaching/ bei mir buchen.

Das Fazit ist also: Ich sehe reine Labordiagnostiken als unnötig (außer für die Forschung), Geldmacherei und realitätsfern an.

 

Sport frei,

euer Coach Franz

 

Quellen:

Fernandes, A. L., Lopes-Silva, J. P., Bertuzzi, R., Casarini, D. E., Arita, D. Y., Bishop, D. J., et al. (2014). Effect of time of day on performance, hormonal and metabolic
response during a 1000-M cycling time trial. Public Library of Science, 9(10):e109954.

Issurin, V. (2008). Block periodization versus traditional training theory: a review. Journal of Sports Medicine and Physical Fitness, 48(1), 65-75.

Pasman WJ, van Baak MA, Jeukendrup AE, et al. The effect of varied dosages of caffeine on endurance performance time. Int J Sports Med 1995; 16 (4): 225-30

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